02.10.2026

Demokratie braucht einen freien Sonntag

Warum es beim freien Sonntag um mehr als Arbeitszeit geht.

Der freie Sonntag ist keine reine Arbeitszeitfrage, sondern eine Frage danach, wie wir miteinander leben wollen. Zeit mit der Familie, mit Freund:innen, für Gemeinschaft, Sport und Kultur oder einfach zum Durchatmen ist ein wichtiger Teil unserer Lebensqualität. Gerade in einer Großstadt wie Wien braucht es deshalb verlässliche Zeiten, die möglichst viele Menschen miteinander teilen können. Zeit lässt sich nicht vermehren, und ein gemeinsamer freier Tag sorgt dafür, dass Menschen sie tatsächlich miteinander verbringen können, unabhängig von Einkommen oder Lebenslage. Der freie Sonntag ist damit ein wichtiger Anker für Lebensqualität.

Seit 25 Jahren setzt sich die Allianz für den freien Sonntag für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags ein. Zum Jubiläum kamen am 1. Oktober im Wiener Rathaus Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen zusammen. Das überparteiliche Bündnis vereint mehr als 50 Mitgliedsorganisationen.

Zeit für Engagement und Demokratie

Weltweit stehen demokratische Systeme unter Druck, soziale Gräben vertiefen sich, der Zusammenhalt schwindet. Der freie Sonntag wirkt dem auf mehreren Ebenen entgegen:

  • Weniger Einsamkeit: Studien zeigen, dass einsame Menschen seltener wählen, Institutionen stärker misstrauen und anfälliger für Ressentiments und Verschwörungsmythen sind. Gemeinsame freie Zeit erleichtert persönliche Kontakte.
  • Mehr Engagement: Wer sich in Vereinen, Gewerkschaften oder der Zivilgesellschaft ehrenamtlich einbringen will, braucht Zeit, und zwar zur gleichen Zeit wie die anderen.
  • Brücken statt Gräben: Die Allianz bringt Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen für ein gemeinsames Anliegen zusammen. Solche Brücken gelten in der Wissenschaft als wirksames Mittel gegen Polarisierung.

Der freie Sonntag ist kein Allheilmittel gegen die Demokratiekrise. Er ist aber ein wichtiger Baustein, um Beziehungen, Vertrauen und Verantwortung füreinander zu stärken.

Fairness für alle, die sonntags arbeiten

Auch am Sonntag steht Wien nicht still. Unser besonderer Dank gilt all jenen, die auch sonntags für uns da sind und unsere Stadt am Laufen halten: der Pflegerin im Krankenhaus, dem Fahrer der U-Bahn, der Rettungssanitäterin, dem Kellner im Gasthaus, den Einsatzkräften der Feuerwehr, den Beschäftigten im Kulturbereich und vielen mehr. Sie sorgen dafür, dass die Stadt funktioniert, während andere frei haben. Diese Arbeit verdient Anerkennung, Respekt und faire Arbeitsbedingungen. Wo Sonntagsarbeit wirklich notwendig ist, ist sie selbstverständlich in Ordnung. Wo sie es nicht ist, sollte der Sonntag ein gemeinsamer freier Tag bleiben. Das gilt gerade für den Handel: Auch die Beschäftigten dort sollen sich auf einen verlässlichen freien Wochentag verlassen können.

Klares Nein zur Sonntagsöffnung

Vor Großveranstaltungen und in regelmäßigen Abständen kommt sie wieder auf den Tisch: die Forderung nach einer Sonntagsöffnung. Doch eines bleibt klar: Der Sonntag muss als gemeinsamer Ruhetag erhalten bleiben. Der freie Sonntag ist ein wichtiger Anker für Lebensqualität und gesellschaftliches Miteinander, und das soll auch in Zukunft so bleiben.

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